|
Das BMW International Open 2011 das
Finale:
Historisches Stechen und Kaymer-Mania
beim
dramatischen Triumph von Pablo Larrazábal
Der Spanier
schlägt Landsmann Sergio García am fünften Extra-Loch - im
längsten Play-Off
der Turniergeschichte
München.
Pablo Larrazábal hat die BMW International Open 2011
gewonnen. In einer der spannendsten Schlussrunden der
Turniergeschichte und einem der denkwürdigsten Finals
überhaupt auf der European Tour verwies der 28-jährige
Spanier seinen Landsmann Sergio García im Stechen auf den
zweiten Platz. Entscheidend war ein Birdie am fünften
Extra-Loch.
Die deutschen Starter Marcel Siem (Ratingen) und Martin
Kaymer beendeten das Turnier auf dem geteilten 14.
beziehungsweise geteilten 18. Rang.
„Einen meiner Helden geschlagen zu haben, und das auch noch
im Stechen, ist ein Traum“, sagte Larrazábal, der seinen
zweiten Sieg auf der European Tour nach dem Erfolg bei der
Open de France 2008 feierte. Der Vorjahresdritte aus
Barcelona widmete den Triumph seinem vorige Woche
verstorbenen Großvater. „Wir haben den Kapitän unserer
Familie verloren, dieser Sieg ist nur für ihn.“
Um
zu gewinnen, musste Larrazábal die fünf nötigen Extra-Löcher
in drei unter Par spielen, so hoch war das Niveau des rein
spanischen Duells um die Siegprämie von 333 330 Euro. Es war
das längste Stechen der Turniergeschichte.
Wie
gleichwertig beide Spieler waren, zeigte auch die Tatsache,
dass sie ihre reguläre Runde mit jeweils 68 Schlägen
beendeten. Larrazábal gewann das Turnier letztlich mit 272
Schlägen (68+67+69+68, 16 unter Par).
17 400 Zuschauer verfolgten das dramatische Finale live vor
Ort. Insgesamt sorgten 62 700 Fans in der Turnierwoche für
eine Einstellung des Zuschauerrekords aus dem Jahr 2006.
Nächstes Jahr findet die BMW International Open erstmals in
Pulheim bei Köln statt, bevor das Turnier 2013 zum 25.
Jubiläum wieder nach Eichenried zurückkehrt.
„Wir haben spektakuläre Schläge und großen Golfsport
gesehen“, bilanzierte Turnierpräsident Karsten Engel, Leiter
Vertrieb der BMW Group Deutschland. „Das Finale war
unglaublich spannend mit dem Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden
spanischen Matadoren. Wir gratulieren Pablo Larrazábal von
ganzem Herzen. Nachdem wir dieses Jahr noch mehr
Golfbegeisterte nach Eichenried locken konnten, freuen wir
uns auf die nächsten BMW International Open 2012 am neuen
Standort in Pulheim bei Köln.“
Ein
positives Fazit zog auch Deutschlands Superstar Martin
Kaymer, der das Turnier mit einer 69 beendete und insgesamt
279 Schläge benötigte. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem
Spiel, es sind nur leider zu wenige Putts gefallen“, sagte
der Weltranglisten-Dritte. „Ich bin auf einem guten Weg und
nehme sehr viel Positives aus dieser BMW International Open
mit.“
Der Majorsieger und BMW Golfsportbotschafter löste am
Sonntag in Eichenried eine wahre Kaymer-Mania aus. Vor allem
Kinder und Jugendliche empfingen den 26-Jährigen wie einen
Popstar. Kaymer genoss das Bad in der Menge und erklärte:
„Das macht alles einen Riesenspaß. Ich freue mich darauf,
eines Tages mit diesen Jungs zu spielen.“
Noch einen Schlag besser als Kaymer war nach den vier Runden
sein rheinischer Kollege Marcel Siem, der am Finaltag 70
Schläge benötigte. Siem gelangen zwar sechs Birdies, doch er
verlor an den Par-5-Löchern insgesamt drei Schläge und
verspielte damit ein noch besseres Resultat. „Es ist mein
Heimatplatz und ich habe an der Spitze geschnuppert“, sagte
Siem: „Ich verlasse Eichenried in guter Laune.“
Die BMW International Open 2011 werden auch als Turnier der
Comebacks in Erinnerung bleiben. So kam der in der
Weltrangliste aus den ersten 100 gefallene Schwede Henrik
Stenson, ehemals Vierter im Ranking und BMW International
Open Sieger 2006, nach seiner Halbzeitführung am Ende auf
den neunten Platz. Und auch García ließ in Eichenried die
schwierigste Phase seiner Karriere hinter sich. Der
ehemalige Weltranglisten-Zweite kam einem Erfolg so nahe wie
nie seit seinem letzten Turniererfolg Ende 2008.
Auch
Larrazábal hatte seit seinem Erfolg 2008 in Frankreich so
manche Täler durchwandert. Seinem Sieg nun bei der BMW
International Open gingen am Sonntag viele überraschende
Wendungen voraus. Während er durch sechs Birdies auf den
ersten elf Löchern den vor der Schlussrunde führenden
Engländer Mark Foster überholte, drehte auch García gewaltig
auf. Die Bahnen fünf bis acht absolvierte er allesamt mit
Birdies, an Loch neun und elf gelang ihm sogar jeweils ein
Eagle. García ballte die Faust und verneigte sich vor dem
Publikum – er schien unaufhaltsam auf den Triumph
zuzusteuern.
Doch plötzlich wurde der seit 2008 auf der European Tour
sieglose Spanier nervös.
Auf den Eagle an Bahn elf folgten drei Bogeys in Folge und
ein weiterer Schlagverlust an Bahn 16. Nur weil Larrazábal
seinerseits an den Löchern 13 und 16 zwei Bogeys kassierte,
schaffte es García durch einen Birdie an der letzten Bahn
noch ins Stechen.
Schauplatz des Showdowns war erneut die 18. Bahn, das
ikonische Par-5-Schlussloch der BMW International Open. Die
Spanier platzierten ihre Abschläge ideal und unterhielten
sich angeregt, während sie das Fairway hinunter gingen. Auch
ihre zweiten Schläge waren von fast identischer Perfektion –
beide landeten in der Mitte des Grüns. Und auch dort blieb
es harmonisch. Erst Larrazábal, dann García schoben ihren
Putt um Millimeter vorbei.
Ein
zweites Mal ging es also auf die 18. Bahn, und dieses Mal
war García nach den ersten beiden Schlägen deutlich im
Nachteil. Doch aus dem Rough vor dem Grün gelang ihm ein
wundervoller Chip an die Fahne und damit noch der Birdie.
Larrazábal benötigte zwei Putts, die Entscheidung war erneut
vertagt.
Für das dritte Extra-Loch sieht das Reglement der BMW
International Open die Bahn zwölf vor, ein Par-3-Loch. Nach
den Abschlägen lag der Vorteil erneut bei Larrazábal, denn
García musste vom Vorgrün putten. Sein Versuch lief direkt
auf das Loch, blieb jedoch fast unerklärlich an der
Lochkante hängen. García sackte in die Knie, hatte aber
Glück im Unglück, weil Larrazábal seine Chance nicht nutzen
konnte.
A ls
nächstes war Bahn 17 an der Reihe, ebenfalls ein Par-3-Loch.
Wieder gelangen hervorragende Abschläge, wieder vergaben
beide ihre Putts. Diesmal war es Larrazábal, der besonders
knapp scheiterte. Sekundenlang verharrte der Spanier
regungslos auf dem Grün, als konnte er es nicht fassen.
Doch bald wurde er erlöst. Weil die kürzeren Bahnen auch
keine Entscheidung gebracht hatten, ging es zurück an das
18. Loch. García besaß dabei nach den beiden langen Schlägen
eigentlich die bessere Ausgangsposition.
Doch sein Eagle-Putt war so aggressiv gespielt, dass er ein
gutes Stück hinter das Loch rollte. Von dort schob García
erneut vorbei, so dass Larrazábals zwei Putts zum Sieg
reichten. Fast zwei Stunden nach dem Ende seiner regulären
Runde hatte er es endlich geschafft und eine BMW
International Open gewonnen, die wohl immer unvergessen
bleiben wird.
|